Britische Polizei unter Druck

Nach dem Tod eines 47-Jährigen am Rande der Proteste gegen den G-20-Gipfel vergangene Woche in London gerät die britische Polizei unter Druck.

2009-04-10 16:16:20

London (AFP) -  Die Zeitung "The Guardian" veröffentlichte auf ihrer Website ein Amateurvideo, auf dem zu sehen ist, wie Sicherheitskräfte den Zeitungsverkäufer Ian Tomlinson in London gewaltsam zu Boden stoßen. Die Opposition forderte strafrechtliche Ermittlungen.

Auf dem Film ist zu sehen, wie Tomlinson auf dem Heimweg von der Arbeit mit den Händen in den Taschen vor einer Gruppe von Polizisten hergeht. Einer davon versetzt ihm einen Stoß, Tomlinson geht zu Boden. Mit Hilfe anderer Passanten steht der Mann wieder auf. Kurz darauf brach er tot zusammen, nach offiziellen Angaben erlag er einem Herzinfarkt.

AFPAnimation: G-20-Gipfel
©AFP  

"Das Video zeigt deutlich einen nicht provozierten Angriff eines Polizisten auf einen Passanten. Das ist widerlich", sagte David Howarth von der Liberaldemokratischen Partei. Ein Sprecher der Konservativen Partei sprach von "extrem alarmierenden" Neuigkeiten. Die Polizeiaufsichtsbehörde IPCC kündigte eine Untersuchung des Videomaterials an. Großbritanniens Innenministerin Jacqui Smith drängte die Behörde zur Eile. Eine anschließende strafrechtliche Untersuchung wollte sie nicht ausschließen.

Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson erklärte, er werde die Ermittlungen "voll" unterstützen. Stephenson hatte das Amt im Januar von Ian Blair übernommen, der nach einer Reihe von Skandalen, unter anderem der irrtümlichen Tötung des fälschlich unter Terrorverdachts geratenen Brasilianers Jean Charles de Menezes, zurückgetreten war.

VIDEO: Polizei nach Tod bei G-20-Protesten unter Druck

Tomlinsons Sohn erklärte, das Video werfe Fragen über den Tod seines Vaters auf. "Jetzt, wo wir es gesehen haben, wollen wir Antworten." Laut "Guardian" wurde Tomlinson auch von einem Polizisten mit einem Schlagstock an den Oberschenkel geschlagen. Das ist auf dem von einem Fondsmanager aus New York gedrehten Video aber nicht zu sehen.

Die deutschen Jungsozialisten (Jusos) verwiesen auf mehrere Beispiele "massiver Polizeigewalt" bei linken Demonstrationen. Jeder Polizist müsse künftig "individuell gekennzeichnet sein, damit im Zweifelsfall die Straftaten auch genau nachvollzogen werden können", forderte die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel.